Der Lichtäther

Ein Gastbeitrag von Ursula Rütimann, August 2026

Um eine Vorstellung der Ätherkräfte im Allgemeinen zu erhalten, verweise ich auf die Einführung im Artikel zum Wärmeäther. Der einleitende Teil widmet sich einer ausführlichen Darstellung der Ätherkräfte als lebendige Kräfte. In diesem vorliegenden Artikel möchte ich den Lichtäther darstellen mit der Idee, dass der Lesende sich eine gute Vorstellung und ein Bild über diese faszinierende Ätherkraft bilden kann.

Ätherkräfte kommen nicht aus der Materie und unterliegen nicht den physikalischen Gesetzen wie zum Beispiel der Schwerkraft. Gemäss Aussagen von Heinz Grill sind Ätherkräfte Energien, die aus dem Kosmos kommen. So durchdringt der Lichtäther ebenfalls – wie der Wärmeäther – den ganzen Kosmos und wirkt von oben nach unten auf die Erde1 und auf die Objekte. Der Lichtäther wirkt zentripetal, seine lichte Bewegung kommt von aussen.

Wie wirkt der Lichtäther auf die Atmosphäre, auf die Pflanzen und auf die Menschen?

Wenn der Lichtäther in der Atmosphäre aktiv west, erscheint die Natur in einem klaren und lebendigen Licht- und Schattenspiel. Dieses Licht wirkt so auf den Betrachtenden, als würde sich der Raum öffnen und lässt die Atmosphäre weit und klar erscheinen. Der Sinneseindruck entfaltet eine feine und lebendige Empfindung, die den Raum weit und offen werden lässt. Man stelle sich zum Vergleich einen düsteren Novembertag vor, bei dem man sich gerne in sich zurückziehen möchte und schon gar nicht die Wohnung verlassen möchte. Ganz anders erscheint ein Tag, in dem der Lichtäther wirksam ist. Die Atmosphäre wirkt auf den Menschen weitend, öffnend in den Raum hinein lebendig und sonnig.

Der Lichtäther ist sonnenhaft. Er geht wenige tief in die Materie als der Wärmeäther und arbeitet tendenziell an der Peripherie der Objekte oder der Pflanzen. Er differenziert und strukturiert die Pflanzen und er wirkt differenzierend auf die Physionomie des Menschen.

Wenn der Lichtäther in der Atmosphäre wirksam ist, kann man die Konturen der Pflanzen sehr gut erkennen. Auch bei Pflanzen, die man aus einer gewissen Distanz heraus beobachtet, sind die Umrisse fein, deutlich und scharf zu sehen. Der Lichtäther begrenzt die Pflanze einerseits, er ist aber auch für das Wachstum der Pflanze von grosser Wichtigkeit. Mit der feinen Berührung und Begrenzung der Pflanze schafft er kristallklare Strukturen, die ein neues Wachstum ermöglichen 2Es wirken auch hier, wie im Eingangstext zu den Ätherkräften (Wärmeäther) beschrieben, zwei widersprüchliche gegenseitige Bewegungen. Das Wachstum und die Begrenzung.

Wenn eine Pflanze im Dunkeln wächst, spriesst sie ohne gleichmässige Struktur, ist zu schwach und nicht aufgerichtet. Stellt man sie nach einer gewissen Zeit ins Licht lässt sich leicht beobachten, wie sie kräftiger wird und der Sonne entgegen strebt: Die Pflanzen entwickeln eine gleichmässige und strukturierte Form und die Ränder der Blätter erhalten schärfere Konturen. Das Licht wirkt als Formgeber.


Die Linien zeigen Leichtigkeit – Rhythmus – Eleganz3


Die Ätherkräfte erscheinen für das hellsichtige Auge wie Farben. Der Lichtäther wird als goldige Farbe, goldener Ton oder manchmal auch als hellblau oder in Blautöne beschrieben.


Dieses Brot zeigt eine schöne Farbe. Allein aus der Farbe des Brotes lässt sich noch keine Ätherkraft bestimmen.

Pflanzen wirken durch ihre Ausstrahlung auf das Gemüt des Menschen. Um den Lichtäther zu erforschen, kann beim Betrachten des Brotes eine einfache Frage gestellt werden: Wie wirkt das Brot auf den Betrachtenden? Wirkt es lichtvoll und entgegenkommend, oder erscheint es eher so, als würde es das Licht „verschlucken“ und sich abschirmend verhalten?

Entscheidend ist die innerlich auftretende Empfindung. Für diese Übung betrachte man das Objekt ganz sachlich, ohne eigene Gefühlsregungen oder persönliche Stimmungen einzumischen. Auch Sympathie oder Antipathie, falls sie aufkommen, werden lediglich bemerkt, jedoch nicht bewertet.

Man beobachtet das Objekt genau, beschreibt es sogar, schaut dann weg und lässt das Bild vor dem inneren Auge in der Vorstellung wieder aufleben. Aber nicht das Bild soll im Bewusstsein Raum einnehmen, sondern der gewonnene Sinneseindruck.4 Die Ätherkräfte lassen sich nicht aus der materiellen Form herauslesen; sie offenbaren sich erst in der wiedererweckten Vorstellung.


Man vergleiche die beiden Bilder der Kartoffel und des Brotes mit diesen obgenannten Fragen.

Der Lichtäther wirkt auch beim Menschen. Ist jemand mit einem sehr interessanten Thema beschäftigt, erhält die Wirbelsäule durch diese feine ätherische Kraft eine leichte und von innen heraus aufrichtende Spannkraft. Die Aufmerksamkeit wird wach, richtet sich nach oben, das Denken wird beweglich und lichtvoll.

Begegnen sich zwei Menschen und finden sich in einem lebendigen und interessanten Austausch, richtet sich auch hier die Wirbelsäule ganz natürlich leicht auf und wirkt aufgerichtet und erhebend. Das Bewusstsein ist dabei präsent und nach aussen gerichtet. Gibt man dem Nächsten dabei Raum und schafft damit eine offene Atmosphäre, in der Neues entstehen darf, dann kann Lichtäther entstehen.


Skizze aus dem Buch: Übungen für die Seele5

Lichtäther im Getreide

Über dem Getreide, so Heinz Grill, strahlt eine lebendige geistige Dimension und schenkt dem Menschen verschiedene geistige Eigenschaften. Diese Eigenschaften stehen im Einklang mit den Stoffen der Materie, aber sie kommen nicht von diesen. In der Gerste lebt das Licht. Das Licht wird dem Menschen durch die Gerste geschenkt6. Diese Aussage scheint auf den ersten Blick vielleicht nicht gleich nachvollziehbar, jedoch ist es wesentlich, sie als eine Aussage eines spirituellen Lehrers zu erkennen und nicht gleich mit unserer individuellen Rationalität und Intellektualität zu bewerten.

Mit einer längeren Auseinandersetzung mit den Getreiden entwickelt man allmählich eine feine Ahnung, ein inneres Wahrheitsempfinden dafür.


Die Gerste und die Kartoffel kann man mit den gleichen Fragen wie oben erforschen. Mit einiger Übung wird sich bald eine zarte Empfindung einstellen.

Wie kann der Mensch Lichtäther erschaffen?

Nach Aussagen von hellsichtigen Menschen und wie oben beschrieben, lässt sich Lichtäther durch den Menschen erschaffen. Um Lichtäther zu erschaffen benötigt es die Voraussetzungen der Freiheit dem Objekt oder dem Menschen gegenüber, der Offenheit, des Interesses und dass man dem anderen Entwicklungsraum gewährt. Durch diese innere Haltung manifestieren wir ein Prinzip, das Raumschaffend ist. „Der Lichtäther lässt den Menschen unbeschwerter, leichter werden und eine differenzierende Rückwirkung zur Formbildung kann eingreifen.“7

Wie lässt sich Lichtäther erschaffen bei der Kochkunst?


Will man die Nahrung für die Menschen, für die man kocht, erhellend und stärkend erbauen, vermeide man ein Kochen aus der Routine und Gewohnheit oder ein Kochen, dass sich starr nach Kochrezepten richtet. Die oben genannten Eigenschaften und das Beobachten der Kochprozesse, die Wahrnehmung der auftretenden Veränderungen der Formen, Farben und Konsistenz des Nahrungsmittels schaffen gute Voraussetzung für die Erschaffung des Lichtäthers.

Voraussetzungen zum Ätherschauen

Erstes Wissen über die Erscheinung der verschiedenen Äther lernt der Übende von Menschen, welche die Hellsichtigkeit erlangt haben und die Äther beschreiben und darstellen können. Was sind Ätherkräfte, Farben, Formen, wie wirken sie, wie zeigen sie sich etc. müssen in einer ersten Vorstellung vorhanden sein. Dazu übernehmen wir die Aussagen von Menschen, die uns das Ätherschauen näher bringen können.

Für Interessierte: Heinz Grill beschreibt in vielen Büchern die verschiedenen Ätherkräfte. Meine Darstellung wurde aus dem Studium von diversen Textinhalten herausgearbeitet. Man kann es daher als eine Konzentration aus diesen Quellen verstehen mit der Anliegen, ein Bild des Lichtäthers zu kreieren.

1 Heinz Grill, Die vier Äther im Brot, Lammers-Koll-Verlag 2014, Seite 20

2 Heinz Grill, Ernährung und die gebende Kraft des Menschen, Stephan Wunderlich Verlag 2013, Seite 47

3 ebd. Seite 27

4 Siehe dazu: Heinz Grill, Die vier Äther im Brot, Das übersinnliche Erfassen der vier Äther im Brot, Seite 20

5 Heinz Grill, Übungen für die Seele, Synergia Verlag 2019

6 Heinz Grill, Ernährung und die gebende Kraft des Menschen, Seite 184

7 Heinz Grill, Licht- und Wärmekräfte in Mensch und Natur, Stephan Wunderlich Verlag 2014, Seite 30

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