Dinkel (lat. Triticum aestivum)
Ein Gastbeitrag von Ursula Rütimann, November 2025
Der Dinkel ist aus der Gattung Weizen und ist ein enger Verwandter des Weichweizens. Er wird auch Spelz genannt, Fesen oder Dinkel-Weizen. Dinkel und Weizen wurden in manchen Regionen gemeinsam angebaut und miteinander gekreuzt, daher gibt es viele Mischformen von Dinkel.
Geschichte des Dinkels
Auch der Dinkel ist ein sehr altes Getreide, die ältesten Funde stammen aus Westarmenien und aus den Tälern des Ararat – Gebirge vor 6 – 5 Jahrtausend vor Christus. Aber auch aus Bulgarien, Rumänien oder aus dem Norden wie Dänemark oder Südschweden stammen alte Funde. In der Jungsteinzeit – also in der Zeit des Überganges der Menschheit zwischen Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten – und Bauernkulturen – wurde Dinkel in Mittel- und Nordeuropa angebaut und gehörte zu den bedeutendsten Getreidearten.
Dinkel wurde ab dem 14. Jahrhundert schon vor der Reife geerntet. Das war die Zeit der kleinen Eiszeit wo das Korn nicht rechtzeitig reif wurde. So entstand der Grünkern. Grünkern muss gedarrt oder getrocknet werden, da es nicht lagerfähig ist. Backen kann man nicht mit Grünkern.
Im 20. Jahrhundert verringerte sich der Anbau gegenüber anderen Getreidearten. Da Dinkel zweizeilig ist, also sich zwei Reihen an Körnern auf der Ähre befinden, bringt er genau halb so viel Ertrag wie der vierzeilige Weizen. Zudem muss das Korn erst von den Spelzen befreit werden, bevor man es zur Mühle geben kann. Das Getreide erfreut sich jedoch seit den 80er Jahren wieder grosser Beliebtheit, besonders für Baby- und Kindernahrung, und wird daher verstärkt angebaut.
Anbaugebiete des Dinkels
Dinkel wird vor allem in Deutschland, in der Schweiz, in Belgien, Finnland und Asturien in Nordspanien angebaut. In der Schweiz wird die Marke UrDinkel angebaut. Diese Marke garantiert die ausschliessliche Verwendung von alten Schweizer Dinkelsorten, die nicht mit modernem Weizen gekreuzt wurden. UrDinkel als Label garantiert eine Bio-Qualität.
Anbaumerkmale
Dinkel verträgt nicht so viel Stickstoff in der Düngung wie Weizen. Der Ertrag ist kleiner als beim Weizen, jedoch verträgt er ein raueres Klima. Aus dem Internet sind verschiedene Informationen zur Züchtung des Dinkels zu lesen: Einerseits sei er anfällig für den Echten Mehltau, eine Pilzerkrankung, welcher die Pflanze schwächen oder sogar zerstören kann. Andererseits aber wird erwähnt, dass Dinkel weniger anfällig sei auf Krankheiten. Das hat sicherlich damit zu tun, dass echter Dinkel, also Urdinkel, nicht mehr viel zu finden ist und Dinkel aus dem Supermarkt oft mit Weizen gekreuzt ist. Auf jeden Fall ist Dinkel aus biologischen oder besser noch biologisch-dynamischen Anbau dem konventionellen Landbau vorzuziehen.
Beschreibung des Dinkels
Die Blütezeit ist Juni bis Juli. Die Ähre ist sehr locker, schlank und seitlich zusammengedrückt. Der Halm der Dinkelpflanze erreicht eine Länge von etwa 80 bis 120 cm, je nach Sorte, Standortbedingungen und Anbauweise. Der Dinkel wächst aufrecht mit langen, stabilen Halmen, die oft robuster sind als die von Weizen. Es gibt natürlich Sortenunterschiede: Alte Landsorten wie „Oberkulmer Rotkorn“ oder „Bauländer Spelz“ neigen zu höherem Wuchs, während moderne Züchtungen teils kürzer sind. Die Frucht ist 6-8 mm lang, eiförmig bis breit länglich. Zur Reifezeit ist die Frucht von Deckspelze und der Vorspelze fest eingeschlossen. Seine enge Hüllspelze schützt ihn vor Umwelteinflüssen.
Heilwirkung des Dinkels
Hildegard von Bingen beschreibt Dinkel als das „beste Getreide“, das nahrhaft, kraftvoll und gut verträglich ist. Es soll „rechtes Fleisch und gutes Blut“ bereiten. Sie äusserte sich auch zur Wirkung des Dinkels auf die Psyche und meinte, Dinkel „mache die Seele froh und voll Heiterkeit“. Zudem sei Dinkel stärkend auf den Körper und für Kranke wie Gesunde gleichermassen empfehlenswert.
Rudolf Steiner beschrieb Dinkel als ein Getreide, das besonders harmonisch zwischen Erde und Kosmos vermittelt. Er sah Dinkel als „sonnenhaftes“ Getreide, das dem Menschen hilft, seelisch-geistige Kräfte zu entwickeln und zu stabilisieren.
In der anthroposophischen Medizin wird Dinkel oft als „aufbauend“ und „ausgleichend“ beschrieben – besonders für Menschen mit nervlicher Erschöpfung oder geschwächtem Wärmeorganismus. Es wird als mehr als Nahrung betrachtet: Er ist ein „Mittler zwischen Himmel und Erde“. Seine Form, sein Wachstum und seine Wirkung auf den Menschen spiegeln eine tiefe Verbindung zwischen Natur und Geist wieder. Die engen Hüllspelzen zeichnen ein Bild für seine „innere Integrität“.
Dinkel ist leicht verdaulich. Es wird empfohlen, Dinkel bei Magen- und Darmerkrankungen oder Nierenschonkost einzunehmen. Dinkel stärkt die Organe.
Dinkel in der Küche
Dinkel eignet sich sehr gut für viele verschiedene Gerichte wie Nudeln, Dinkelmus, Brote, Bratlinge, Dinkelkuchen, Suppen etc.
Nährstoffe
Dinkel ist reich an wertvollen Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen wie Kalium, Phosphor und Eisen.
